
Geht es nach der Fraktion Volt / MitBürger, können Jugendliche in Halle bald länger schlafen. Mit ihrem Antrag will die Fraktion erreichen, dass die Stadtverwaltung in den Gesamtkonferenzen der Schulen, in denen sie jeweils mit einem stimmberechtigten Mitglied vertreten ist, eine Diskussion über einen späteren Unterrichtsbeginn anstößt. Außerdem soll sich die Stadtverwaltung bei der Landesregierung dafür einsetzen, dass die Schulen den Unterrichtsbeginn auch ohne Ausnahmegenehmigung nach 8.15 Uhr legen können.
„Chronischer Schlafmangel ist ein großes Problem bei Jugendlichen in der Pubertät. Das liegt nicht in erster Linie daran, dass die Jugendlichen undiszipliniert sind und deshalb nicht rechtzeitig ins Bett gehen. Vielmehr ist inzwischen gut belegt, dass sich der Biorhythmus in der Pubertät nach hinten verschiebt. Auch Frühaufsteher schlafen dann später ein und wachen später auf. Diese Entwicklung kehrt sich erst mit Anfang 20 wieder um“, erklärt Detlef Wend, der die Fraktion im Bildungsausschuss vertritt, und fügt hinzu: „Nur hat diese Erkenntnis das deutsche Schulsystem bisher wenig interessiert. Durch den gleichbleibenden Unterrichtsbeginn müssen die Jugendlichen permanent gegen ihren Biorhythmus ankämpfen. Till Roenneberg, seines Zeichens Chronobiologe, hat dafür den treffenden Begriff ‚sozialer Jetlag‘ geprägt.“
Das daraus resultierende dauerhafte Schlafdefizit wirke sich nicht nur negativ auf die Gesundheit aus, so Wend: „Übermüdete Jugendliche sind einfach nicht in der Lage, den Unterrichtsstoff aufzunehmen und zu behalten, geschweige denn Arbeiten zu schreiben. Es ist also kein Wunder, dass ihre schulischen Leistungen unter dem frühen Schulbeginn leiden.“ Es gebe viele gute Beispiele, wie es besser gehen könnte: „Das Naheliegendste ist natürlich, den Unterrichtsbeginn spätestens ab der siebten Klasse einfach nach hinten zu verschieben. Aus der Forschung wissen wir, dass schon 20 Minuten einen Unterschied machen. Manche Schulen haben aber auch gute Erfahrungen mit Gleitzeitmodellen gemacht.“ Die Schüler*innen entscheiden bei diesem Modell eigenständig, ob sie zur ersten oder erst zur zweiten Stunde kommen. Die Inhalte der ersten Stunde erarbeiten sie selbstständig – ob in der ersten Stunde oder am Nachmittag. „Klar ist: Jede Schule muss die für sie passende Lösung finden. Uns geht es darum, eine Diskussion anzustoßen und auf das Problem aufmerksam zu machen“, so Wend abschließend.
Bild: Klassenzimmer des JCRG Hof von PantheraLeo1359531 lizensiert unter CC BY 4.0 DEED (Bildausschnitt verändert)