Einrichtung eines Familieninformationsbüros

Rückansicht von Mutter, Kleinkind und Vater mit Kinderwagen auf einer Allee

Ob Beratung, finanzielle Unterstützung oder Freizeitangebote: Halle hat Familien viel zu bieten. Doch die Broschüre „Familienwegweiser“ ist über 100 Seiten dick und die Orientierung entsprechend schwierig. Gerade für bildungsferne Familien ist die eigenständige Recherche mitunter überfordernd. Es fehlt eine zentrale Anlaufstelle. Die will die Stadtverwaltung seit einiger Zeit in Form eines Familieninformationsbüros schaffen… eigentlich.

In den letzten Jahren ist ein deutlich steigender Beratungsbedarf von Familien zu verzeichnen. Der Fachbereich Bildung und Soziales hat daher bereits im Projektplan 2020 die Einrichtung eines Familieninformationsbüros vorgesehen, um „Familien mit Kindern kostenlos zu beraten und weiterführende Hilfs- und Freizeitangebote zu vermitteln“. In der Jugendhilfeplanung für die Jahre 2022-2025 wurde die Aufgabenbeschreibung nochmals präzisiert. Demnach soll das Büro „Wegweiser und Lotse“ sowie „zentrale Anlaufstelle“ für Familien sein und „niedrigschwellige Anschubberatung leisten“.

Seitdem hat sich die Stadtverwaltung in Antwort auf wiederholte Anfragen unserer Vorgängerfraktion (VII/2020/02036, VII/2022/04202, VII/2023/05687, VII/2024/07299) immer wieder für die Einrichtung des Familieninformationsbüros ausgesprochen. Formal wurde eine entsprechende Stelle eingerichtet, zuletzt mit der Bezeichnung „Sachbearbeiter/in Familieninformationsbüro“ im Fachbereich Bildung. Die Stelle wurde jedoch nicht ausgeschrieben, da aus Sicht der Stadtverwaltung bisher die konzeptionelle Untersetzung fehlte.

Im August 2024 hieß es dazu von Seiten der Stadtverwaltung: „Eine Stelle kann erst dann ausgeschrieben und besetzt werden, wenn ein umsetzungsreifes Konzept vorliegt und damit die mit ihr verbundenen Aufgaben klar definiert sind. Aus Sicht der Verwaltung bedarf es weiterer Anstrengungen, um ein Ergebnis im Januar 2025 mitteilen zu können.“ Eine entsprechende Information erfolgte weder in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses noch in der Sitzung des Sozial-, Gesundheits- und Gleichstellungsausschusses im Januar.

Wir fragen daher die Stadtverwaltung:

  1. Welche Schritte zur Einrichtung eines Familieninformationsbüros bzw. zur Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes hat die Stadtverwaltung seit August 2024 unternommen?
  2. Warum erfolgte die Vorlage des Konzeptes bzw. des Ergebnisses nicht wie angekündigt im Januar 2025?
  3. Welche Erarbeitungsschritte stehen noch aus und wann sollen diese jeweils umgesetzt werden?
  4. Ist die Besetzung der Stelle „Sachbearbeiter/in Familieninformationsbüro“ noch für das Jahr 2025 vorgesehen? Wenn ja, wann ist mit einer entsprechenden Ausschreibung zu rechnen? Wenn nein, warum nicht?

Diese Initiative im Bürgerinformationsportal der Stadt Halle ansehen.

Antwort der Stadtverwaltung

Nur auf unsere erste Frage hat die Stadtverwaltung wirklich geantwortet. Aber schon daran wird deutlich, dass die Verwaltung wieder bremst. So steht es in der Antwort (vollständige Fassung über den Link oben abrufbar):

„Die Prüfung, ob aktuell ein Bedarf zur Errichtung eines solchen Büros noch besteht, ist noch nicht abgeschlossen, die dabei bislang erzielten Ergebnisse sind nicht ausreichend. Dies ist u.a. auf die Stellenanzahl sowie die Übertragung weiterer Aufgaben […] zurückzuführen.

Es müssen Priorisierungen vorgenommen und sinnvoll Synergien geprüft werden. Festzustellen ist beispielsweise, dass der Beratungsbedarf bei Familien aktuell gut durch die Erziehungsberatungsstellen bedient wird. Die Wartezeiten auf eine Erstberatung liegen bei bis zu 2 Wochen, was im Rahmen der bundesweit empfohlenen Wartezeiten liegt. Man muss aber dazu sagen, dass die Erziehungsberatung keine allgemeine Information […durchführt.] Hier ist zu prüfen, ob das Beratungsangebot entsprechend ergänzt werden kann.

Mit der aktuellen Jugendhilfeteilplanung wurde das sozialpädagogische Angebot für Familien zudem bereits sehr umfassend ausgebaut. Hinzuweisen ist überdies auf die Netzwerkkarte. […] Allerdings muss die Karte […] noch weiter beworben werden, damit auch die Zielgruppen zukünftig mehr damit arbeiten. Es ist geplant, sie auch in den Quartiersrunden vorzustellen.“

Update

Mittels eines Änderungsantrages konnten wir das Familieninformationsbüro in der Jugendhilfeplanung für die Jahre 2026-2029 verankern.