
Das Gemeindezentrum des Islamischen Kulturcenters (IKC) in Halle-Neustadt ist zu klein. Schon seit Jahren passen die Gläubigen beim Freitagsgebet nicht mehr in die Räumlichkeiten, so dass viele bei Wind und Wetter im Freien beten müssen. Deshalb will der Trägerverein gleich nebenan einen Neubau errichten und hat dafür das Grundstück von der Stadt erworben. In den letzten Tagen hat die Oberbürgermeisterkandidatin der CDU das Projekt zum Wahlkampfthema gemacht und für den Fall ihres Wahlsieges mit der Verweigerung der Baugenehmigung gedroht.
Stadtrat Detlef Wend (Fraktion Volt / MitBürger) kann darüber nur den Kopf schütteln: „Dass die Pläne in Halle-Neustadt nicht ungeteilte Begeisterung auslösen, ist nachvollziehbar. Der im Verhältnis zu anderen Stadtteilen hohe Anteil migrantischer Bewohner schafft auch Probleme. Aber hier wird bewusst der geplante Bau eines islamischen Kulturzentrums auf den Begriff Moschee reduziert, so dass in manchen Köpfen schon das Bild von Minaretten in Neustadt herumschwirrt. Das ist billiger, polarisierender Populismus.“
Er weist zudem darauf hin, dass die Ankündigung kaum umsetzbar sein dürfte: „Eine Baugenehmigung wird nicht nach Lust und Laune einer Oberbürgermeisterin erteilt, sondern nach Recht und Gesetz. Werte, die die CDU sonst so gerne beschwört. Hier einen Unterschied zu machen, wer einen solchen Antrag stellt, verbietet schon die Religionsfreiheit.“ Sorgen, wie sich Halle-Neustadt weiterentwickelt, müsse man ernst nehmen: „Die Gestaltung des geplanten Zentrums unterliegt der Kontrolle durch die Genehmigungsverfahren der Stadtverwaltung. Somit muss man sich keine Sorgen machen, dass hier eventuell unpassende Architektur umgesetzt wird.“
Wend weiter: „Es ist gerade einmal drei Jahre her, dass aus einem Wohnblock heraus auf Betende vor dem Gebäude geschossen wurde. Wie man auch vor diesem Hintergrund das Vorhaben für den Wahlkampf instrumentalisieren kann, ist mir schleierhaft. Probleme der Migration und der Segregation lassen sich jedenfalls nicht durch polemische Stimmungsmache lösen.“